Kritischer Beitrag zur Wirkung von Kurkuma – Eine Studienbewertung

Schüssel mit Kurkuma-PulverBereits zu Beginn des Beitrags wird darauf verwiesen, dass die Studie lediglich den Nutzen von Kurkuma und Curcumin vor operativen Eingriffen untersucht hat. Zudem nur bei Patienten, die vorher ein Aortenaneurysma hatten, wodurch die Gruppe der Probanden nochmals eingeschränkt war. Die Anzahl der Studienteilnehmer war zwar vergleichsweise mit 606 Probanden recht hoch, allerdings war die Dauer der Studie lediglich auf eine 2-Tages-Kur eingeschränkt. Also ein verschwindend geringer Zeitraum. Sehr viel sinnvoller wäre die Einnahme & Beobachtung über mehrere Tage oder Wochen gewesen. In 10 kanadischen Kliniken wurden Patienten vor einem chirurgischen Eingriff des abdominellen Aortenaneurysmas in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhielt ein Placebo-Präparat und die Teilnehmer der anderen Gruppe nahmen 2 Mal täglich je 2.000mg Curcumin in Form von je 4 Kapseln à 500 mg ein. Dabei wurden 4 unterschiedliche Biomarker im Blut gemessen, welche die Verletzungs- und Entzündungswerte im Körper aufzeigen sollten. Die Ergebnisse dieser Studie zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen der Placebo-Gruppe und den Probanden, die mit Curcumin-Präparaten behandelt wurden.

Kritik an der Kurkuma-Studie

Die Problematik dieser Studie wird beim bloßem Hinsehen offensichtlich. In erster Linie ist hier zu kritisieren, dass keine Angaben bzgl. der Rezeptur bzw. der Formulierung des Curcumins (pharmazeutisch spricht man von der „Galenik“) gemacht werden. Somit kann davon ausgegangen werden, dass nur reines Kurkuma bzw. Curcumin ohne Mizelle oder Piperin, vermutlich sogar Gewürz-Pulver, verwendet wurde und somit die Bioverfügbarkeit des Curcumins nicht erhöht werden konnte. Diese Tatsache wird durch den Aspekt untermauert, dass man die Metaboliten, also in dem Fall das Curcumin, im Urin nachweisen konnte, was so viel bedeutet, dass das Curcumin sofort wieder ausgeschieden wurde. Ein wichtiger Aspekt zudem ist die Dauer der Studie. Eine Studie von lediglich zwei Tagen durchzuführen und bei einem Naturprodukt zu erwarten, dass innerhalb dieser kurzen Zeitspanne signifikante Ergebnisse abzuleiten sind, ist eher utopisch. Selbst Arzneimittel wirken teilweise erst auf Dauer und nicht unmittelbar nach der der Einnahme.

Weitere Probleme der Studie für Kurkuma nach operativen Eingriffen

Die Ergebnisse dieser Studie untermauern daher die bisherige Forschung, dass natives Curcumin allein ohne jegliche Formulierung zur Steigerung der Bioverfügbarkeit wenig Nutzen für die Gesundheit hat. Aufgrund seiner fettlöslichen Eigenschaft kann Curcumin nicht vom Magen-Darm-Trakt resorbiert werden und ist somit als potentielles Therapeutikum bei Erkrankungen größtenteils nutzlos. Daher wird seit Jahren an einer effektiven Formulierung geforscht, die die fettlösliche Eigenschaft des Curcumins umgeht und den Wirkstoff effektiv in die Blutbahn befördert. Piperin-Kurkuma, liposomales Kurkuma oder Mizell-Kurkuma sind einige wenige Formulierungen, die Auswirkungen auf die Bioverfügbarkeit haben. Bisher scheint jedoch das Mizell-Kurkuma die effektivste Art zu sein. Denn mittels der wasserlöslichen Mizellen kann das fettlösliche Curcumin durch die Darmwand gelangen und hat Studien zufolge sogar die Fähigkeit die Blut-Hirn-Schranke zu durchbrechen. Das ist vor allem für Demenz- und Alzheimerpatienten eine wichtige Erkenntnis. Denn so könnte Curcumin bei Entzündungen im Gehirn wirken und im besten Fall eine Linderung verschaffen.

Fazit

Schlussfolgernd kann gesagt werden, dass die vorliegende kanadische Studie sowohl vom Studiendesign als auch von der Umsetzung zu wünschen übriglässt. Vor allem die kurze Dauer der Studie (2 Tage) zeigt, dass die Studie kaum an Aussagekraft besitzt. Zudem hat sie weder die Wirkweisen des Curcumins widerlegt noch die bisherigen Ergebnisse aus über 10.000 Studien in Frage gestellt. Die Ergebnisse zeigen eher auf, was bereits seit Jahren bekannt ist: Curcumin in seiner nativen Form hat kaum therapeutische Eigenschaften, somit wird eine Formulierung benötigt, die das Curcumin effektiv in den Blutkreislauf befördert. Das Mizell-Kurkuma scheint bisher die effektivste Art zu sein, Curcumin bestmöglich für die Gesundheit nutzen zu können.