Ingwer und Kurkuma – Zwei Wurzeln der Natur haben es in sich

Frische Ingwer und Kurkuma Wurzeln

Ingwer und Kurkuma ergänzen sich gut in ihrer heilenden Wirkung

Ingwer und Kurkuma – zwei Wurzeln, die es buchstäblich in sich haben. Und das nicht nur als exotisches Gewürz zur schmackhaften Ergänzung von Speisen, sondern vor allen Dingen als Heilmittel bzw. Unterstützung bei vielen gesundheitlichen Beschwerden. Die Inhaltsstoffe beider asiatischer Pflanzenwurzeln, Gingerole und Shogaole im Ingwer und Curcumin in der Kurkuma, wirken antibakteriell und antiviral. Daher gilt seit langem vermehrtes Forscherinteresse insbesondere für die Kurkuma-Wurzel, aber auch der Ingwer rückt zunhemend als Heilknolle in die wissenschaftliche Forschung. „Beim Ingwer spricht die Naturheilkunde schon jetzt vom Antibiotikum der Natur“, sagt die Heilpraktikerin Ulrike Gaper, die sich auf die Behandlung nach der traditionellen chinesischen Medizin spezialisiert hat. Um diese heilende Wirkung wussten schon die alten Griechen vor 2000 Jahren und die fernöstliche Heilkunst macht sich diese Erkenntnisse seit Jahrhunderten zunutze.

 Die heutige hochentwickelte Medizin, aber auch Biologen und Pharmakologen, forschen zunehmend auf dem Gebiet natürlicher Alternativen zu pharmakologischen Medikamenten, welche häufig neben symptombekämpfender Wirkung auch unangenehme Nebenwirkungen haben können. Neben vielen heimischen Pflanzen und Kräutern ist vor allem die asiatische Pflanzenwelt reich an wirkstarken Inhaltsstoffen wie z.B. den beiden Wurzeln Ingwer und Kurkuma.

Kurkuma, vor allem ihr Inhaltsstoff Curcumin, sorgt seit mehreren Jahren für großes wissenschaftliches Interesse, denn aus der ayurvedischen Medizin weiß man, dass Curcumin bei verschiedensten Erkrankungen positive Wirkungen zeigt. Beim Ingwer ist vor allem die entzündungshemmende Wirkung bezeichnend.

Hilfe bei Alzheimer und Diabetes

Beide Wurzeln, Ingwer wie Kurkuma, ähneln sich optisch sehr und werden nicht selten verwechselt, aber sie ergänzen sich auch in ihrer Wirkung in vielen gesundheitlichen Bereichen. Kurkuma kann in konzentrierter Form begleitend bei Erkrankungen wie Krebs, Entzündungen und Magen-Darm-Beschwerden wirken. Aktuell wird darüber hinaus die präventive Wirkung von Curcumin bei Alzheimer und Diabetes erforscht. Der orange gelb leuchtende Farbstoff hat nämlich nachgewiesenermaßen zahlreiche gesundheitsfördernde Wirkungen – Forscher hoffen gar auf eine positive Wirkung auch bei Rheuma und Hautproblemen. Weiterhin gibt es nach den neuesten Erkenntnissen Hinweise darauf, dass bei regelmäßiger hochkonzentrierter Einnahme von Curcumin Risikogruppen möglicherweise davor bewahrt werden könnten, an Diabetes Typ 2 zu erkranken. [1]

Diabetes Typ 1 und Typ 2. Der Typ 2 stellt im Vergleich zum Typ 1 die harmlosere, aber auch weitverbreitetere Variante, dar. Rund 95% der an Diabetes erkrankten leiden unter der weniger aggressiveren Form, die durch Früherkennung und anschließende Lebens- und Ernährungsumstellung gut in den Griff zu bekommen ist. Die neuesten Forschungen zur ayurvedischen Heilknolle Curcuma stimmen die Forscher positiv. Man weiß inzwischen, dass das im Kurkumarhizom enthaltene natürliche Extrakt Curcumin nicht nur den Blutzuckerspiegel regulieren, sondern ihn sogar senken kann. Aktuelle Studien gehen bei ihrer Beobachtung sogar soweit und sprechen dem sekundären Pflanzenstoff eine vorbeugende Wirkung zu, sodass die Entstehung von Diabetes Typ 2 möglicherweise verhindert werden kann. [1]

Hier wird gezeigt, dass Dr. Jakob Weißenberger an Hirntumoren erkrankte Mäuse getestet hat. Diejenigen, die mit Curcumin gefüttert wurden, lebten länger als jene, denen es nicht verabreicht wurde. Eine weitere Entdeckung sorgt für Hoffnung unter den genannten Experten: Dr. Gunter Eckert forscht seit vielen Jahren an alternden Gehirnen und der Alzheimer Erkrankung. Er konnte bei regelmäßiger hochkonzentrierter Einnahme von Curcumin nachweisen, dass im Gehirn weniger für Alzheimer typische Ablagerungen im Gehirn zu finden waren und die Zellen zudem besser durchblutet wurden. Das Ziel seiner Forschungen ist es durch bestimmte Lebensmittel-Inhaltsstoffe neurodegenerative Prozesse beeinflussen zu können. [2]

Curcumin bei Chemotherapie

Curcumin kann begleitend auch bei Brustkrebs eingenommen werden. Ziel ist es, in der Krebstherapie mit Curcumin die Läsionsstellen im Körper zu erreichen und die tumorspezifische Affinität zu erhöhen. Momentane Studien gehen davon aus, dass die tägliche Dosis zwischen 3,6 g und 6 g Curcumin liegen sollte, um einen therapeutischen Effekt erkennen zu können. So wurde Brustkrebspatientinnen, die eine Bestrahlungstherapie erhielten, eine maximale Dosierung von 6 g Kurkumazubereitung in Verbindung mit chemotherapeutischen Mitteln verabreicht. [3] Gegenüberstellend erhielt eine andere Gruppe von Bestrahlungspatientinnen ein Placebo. Dieser Vergleich konnte aufzeigen, dass die Gruppe, der unterstützend Curcumin zugeführt wurde, weniger strahlenbedingte Hautentzündungen aufzeigte als die vergleichende Placebo-Gruppe. Weitere hochwertige Forschungen konnten ebenfalls beobachten, dass Kurkuma einen positiven Effekt auf die Nebenwirkungen bei Chemo- und Bestrahlungstherapien haben. Aber auch Ingwer scheint eine vielversprechende Wurzel bei der Krebsbehandlung zu sein. Denn die Inhaltsstoffe scheinen die Krebszellen gezielt zu bekämpfen. Aufgrund seiner antioxidativen und antiinflammatorischen Eigenschaften schafft es der Ingwer chronische Entzündungen im Körper zu minimieren und so dem Krebs seine Ausbreitungsfläche zu nehmen. [4] Aber auch die Apoptose der Krebszellen wird durch die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Ingwers gefördert, was den Krebs ebenfalls eingrenzen kann. [5]

Ingwer und Kurkuma hochkonzentriert als Nahrungsergänzung

Je nachdem für welchen Zweck Ingwer und Kurkuma verwendet werden sollen, gelten unterschiedliche Verzehrempfehlungen. Als Gewürz zum Essen eignen sich beide Wurzeln, um verschiedenen Speisen eine besondere Geschmacksnote zu verleihen. In diesem Fall kann normales Pulver oder die nativen Ingwer-Wurzeln oder Kurkuma-Wurzeln verwendet werden. Für den intensiveren Geschmack kann Pfeffer hinzugefügt werden. Allerdings reichen Ingwer und Kurkuma als Küchengewürz nicht für medizinisch-therapeutische Zwecke aus. Dazu ist die Konzentration der Ingwereigenen Scharfstoffe und des Curcumins zu gering. Sollen die wertvollen Inhaltsstoffe der Ingwerwurzel oder das Curcumin zu Therapiezwecken eingesetzt werden, sollte man auf hochkonzentrierte Kapseln zurückgreifen. Auch hier ist es wichtig, welche Kapseln genommen werden, denn viele synthetische Nahrungsergänzungsmittel sind verdünnt oder enthalten nicht alle wertvollen Inhaltsstoffe der Pflanze. Meist handelt es sich dabei um Monoextrakte. Denn es gibt große Unterschiede bei der Qualität von Ingwer-Kapseln und vor allem bei der Qualität von Kurkuma-Kapseln. Ein wichtiger Anhaltspunkt für gute Qualität ist die Herstellung, nämlich die Extraktion, aber auch die Konzentration der Gingerole und Shogaole beim Ingwer und der Kurkuma-Pflanzenstoffe. Die tatsächlich enthaltenen Wirkstoffe der meisten Kurkuma- und Ingwer-Präparate gleichen meist normalem Küchengewürz und bieten für die Gesundheit kaum signifikanten Mehrwert. Ein Blick auf den Wert der Inhaltsstoffe und der angewandten Herstellungsverfahren hilft bei der Entscheidung. Es sollte für den therapeutischen Nutzen auf jeden Fall auf hochkonzentrierte Scharfstoffe bei Ingwer-Kapseln geachtet werden und auf die Höhe der Bioverfügbarkeit beim Curcumin.

Bioverfügbarkeit von Curcumin

Beim Curcumin gibt es wiederum die Besonderheit, dass der Stoff schlecht vom menschlichen Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden kann. Auf diesem Gebiet forscht und experimentiert u.a. wiederum Professor Dr. Jan Frank an der Universität Hohenheim und hat festgestellt, dass sogenannte Mizellen am besten dazu geeignet sind, dass der Stoff vom Körper auch aufgenommen werden und damit erst in den Blutkreislauf gelangen kann. [6]

Ansonsten wird das schwer wasserlösliche Curcumin wieder ausgeschieden. Die andere weit verbreitete Variante, Curcumin besser bioverfügbar zu machen, ist die Kombination mit Piperin. Piperin sorgt im schwarzen Pfeffer für den scharfen Geschmack, kann aber in seiner Wirkung bei empfindlichen Menschen die Magen-Schleimhaut angreifen und damit reizen. Aufgrund der Nebenwirkungen von Kurkuma-Piperin-Präparaten sind diese nicht mehr zeitgemäß und gelten allgemeinhin als überholt. Mit der Mizellen-Kurkuma-Variante ist es Forschern gelungen, körpereigene Prozesse im Darm nachzubilden. Mizellen umkapseln die schwer wasserlöslichen Stoffe und transportieren sie in den Darm. Im Darm wird das Curcumin schließlich verarbeitet und gelangt in den Blutkreislauf, sodass es im ganzen Körper wirken kann. Nach derzeitigen Forschungserkenntnissen ist die Option mittels Mizellen-Transport die beste Variante für die Verwertung von Kurkuma im ganzen Körper. Daher eignen sich Kurkuma-Mizellen-Kapseln ideal für Indikationen außerhalb des Magen-Darm-Trakts. Zudem hat diese Methode keine bekannten Nebenwirkungen und schont den Magen-Darm-Kreislauf. Eine weitere innovative Darreichungsform der Kurkuma stellt die phytholistische Methode dar. Diese ist erst seit Kurzem auf dem Markt und bietet neben der erhöhten Bioverfügbarkeit des Curcumins auch die wertvollen ätherischen Öle und zahlreiche weitere Inhaltsstoffe der Kurkuma-Pflanze. Zwar ist die Bioverfügbarkeit hier nicht so hoch wie bei der Mizellen-Formulierung, jedoch profitiert man fast von allen Inhaltsstoffen der Kurkuma-Pflanze. Diese Darreichungsform eignet sich eher für die präventive Maßnahme von Krankheiten oder ist ideal als Ergänzung zur Mizelle anzusehen. Aufgrund der erhöhten Bioverfügbarkeit um das 40-fache ist die Wirkung des Curcumins nicht auf den Magen-Darm-Trakt begrenzt.

Haben Ingwer und Kurkuma Nebenwirkungen

Kurkuma ist allgemein gut verträglich und fördert sogar die Verdauung fettiger Speisen und regt den Gallenfluss an. Die aktuelle Studienlage zeige, dass derzeit keine ernstzunehmenden Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Kurkuma auftreten. Nur mit der parallelen Einnahme blutverdünnender Medikamente kann es zum Gallenverschluss kommen.

Auch bei Ingwer gibt es Risikogruppen, die die Einnahme hochkonzentrierter Ingwer-Kapseln zunächst mit dem Arzt absprechen sollten. Abgeraten von Ingwer wird ebenfalls Blutern und Menschen, die Blutverdünnungsmittel nehmen, denn die Blutungsneigung wird durch die Knolle erhört. Auch Schwangere sollten in fortgeschrittener Schwangerschaft möglichst auf Inger verzichten, denn möglicherweise löst die Wurzel Wehen aus – abschließend geklärt ist das noch nicht. [7]

Jedoch empfehlen Hebammen nicht selten Ingwer, um den Prozess zu beschleunigen. Wie auch bei der Kurkuma sollten Menschen mit Gallen-, Magenleiden oder Sodbrennen die Wurzel vorsichtshalber meiden, denn die Scharfmacherstoffe regen die Magensäurebildung zusätzlich an.

Fazit

Die beiden Pflanzen Ingwer und Kurkuma sind also wahre Wunderwerke: Sie veredeln Speisen mit ihren besonderen Geschmacksrichtungen, hochkonzentriert beugen sie Erkrankungen vor, stabilisieren und unterstützen nachweislich bei vielen schon vorhandenen Krankheitsbildern. Zudem wirken sie entzündungshemmend, schmerzlindernd, abwehrstärkend, durchblutungsfördernd und möglicherweise präventiv gegen Alzheimer oder Diabetes Typ 2. Auf diesen Gebieten gehen die Forschungsarbeiten voran – und die derzeitigen Erkenntnisse geben Anlass zur Hoffnung. Dabei ist die Kombination beider Präparate aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung therapeutisch besonders wirkungsvoll. Allerdings bleibt zu erwähnen, dass die pflanzlichen Helfer in vielen Fällen gut begleitend, aber auch präventiv eingesetzt werden können. Als Alternative jedoch oder gar Ersatz für hochwirksame Pharmaprodukte bei diagnostiziertem Krankheitsbild sollten sie nicht gesehen werden, eher als unterstützende Maßnahme.

Quellen

  1. Chuengsamarn S. et. al, 2012. Curcumin extract for prevention of type 2 diabetes. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22773702 
  2. Curcumin gegen Alzheimer & Krebs: Gesunde Pflanzenstoffe und ihr Transport in den Körper, https://idw-online.de/de/news400889
  3. Ryan JL1, Heckler CE, Ling M, Katz A, Williams JP, Pentland AP, Morrow GR. (2013) Curcumin for radiation dermatitis: a randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial of thirty breast cancer patients.
  4. Semwal, R. B., Semwal, D. K., Combrinck, S., & Viljoen, A. M. (2015). Gingerols and shogaols: Important nutraceutical principles from ginger. Phytochemistry. https://doi.org/10.1016/j.phytochem.2015.07.01
  5. de Lima, R. M. T., Dos Reis, A. C., de Menezes, A.-A. P. M., Santos, J. V. de O., Filho, J. W. G. de O., Ferreira, J. R. de O., … Melo-Cavalcante, A. A. de C. (2018). Protective and therapeutic potential of ginger (Zingiber officinale) extract and [6]-gingerol in cancer: A comprehensive review. Phytotherapy Research : PTR. https://doi.org/10.1002/ptr.6134
  6. Bundesregierung (2014) Hightech-Strategie – Gewürz mit Heilkraft https://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Themen/Forschung/1-HightechStrategie/4-Gesundes-Leben/curcumin/_node.html
  7. Stanisiere, J., Mousset, P.-Y., & Lafay, S. (2018). How Safe Is Ginger Rhizome for Decreasing Nausea and Vomiting in Women during Early Pregnancy? Foods (Basel, Switzerland), 7(4). https://doi.org/10.3390/foods7040050